In „Nadeshda“ fand ich die Sicherheit, meinen eigenen Weg zu gehen“

15.04.2014
Berichte von "Nadeshda-Kindern": Anton Makucha

Unmittelbar nach der Tschernobyl-Katastrophe waren die Menschen in Belarus einer intensiven Jod-Verstrahlung ausgesetzt, die vor allem die Schilddrüse von Kleinkindern schädigte. Über 1.000 Kinder und Jugendliche, die zum Zeitpunkt der Reaktorexplosion zwischen 0 und 4 Jahre alt waren, erkrankten bereits vor dem Erwachsenenalter an Schilddrüsenkrebs. Die Tschernobyl-Kinder-Stiftung Japans ermöglichte daher seit 1996 derart durch Tschernobyl gezeichneten Kindern einen Erholungsaufenthalt in „Nadeshda“ und gibt ihnen damit neue Zukunftsperspektiven. Dank ihrer regelmäßigen Aufenthalte im Zentrum konnten die Kinder ihr psychologisches Trauma überwinden, als junge Menschen ihren beruflichen Weg finden und – entgegen den Erwartungen der sie behandelnden Ärzte – als Erwachsene sogar eigene Familien gründen. Für sie finanziert die Tschernobyl-Kinder-Stiftung auch heute noch Familienerholungsaufenthalte.

 

Der am 4. April 1984 geborene Anton Makucha war schon 17 Jahre alt, als er im Sommer 2001 zum ersten Mal zur Erholung ins Kinderzentrum „Nadeshda“ kam. Knapp vier Jahre zuvor, im Januar 1998, war ihm aufgrund einer Krebserkrankung die Schilddrüse entfernt worden. Dank der Tschernobyl-Kinder-Stiftung Japans konnte er bis 2008 fast jährlich die Ferien in „Nadeshda“ verbringen. Im Rückblick beschreibt Anton diese Aufenthalte als eine Weichenstellung für sein weiteres Leben:

 

„Als ich mit 17 Jahren nach ‚Nadeshda‘ kam, war ich in einem Alter, in dem ich schon Vieles verstehen und bewerten konnte. Daher kann ich mich gut an Alles erinnern und denke oft zurück. Aus meiner Sicht war es eine gute Entscheidung, auch ältere Jugendliche, welche die Diagnose Schilddrüsenkrebs teilen, im Zentrum aufzunehmen. Dadurch erhielten wir die Möglichkeit, uns auszutauschen sowie viele künstlerische und sportliche Aktivitäten auszuprobieren. Mit etlichen Projektteilnehmern habe ich bis heute Kontakt. Hierzu gehören Ljuba Pasteuschenko, Oleg Jadrenzew und Elean Ropot.

 

Dank unserer japanischen Freunde konnten wir unterschiedliche Zirkel besuchen, wir gestalteten ein Lokalfernsehen und gaben eine Zeitung heraus, filmten mit der Videokamera und der Digitalkamera. Wir probierten Dinge aus, die wir an keinem anderen Ort hätten tun können. Ich denke, dass viele meiner Kameraden durch diese Zirkelarbeit neue Vorstellungen entwickelt haben, womit sie sich im weiteren Leben beschäftigen wollen.

 

In ‚Nadeshda‘ habe ich erstmals in einer Theateraufführung mitgemacht, ich habe den Zar in dem Märchen „Goldenes Fischlein“ gespielt. Ich bin sicher, dass die dabei erlebten Gefühle und Aufregungen eine wichtige Rolle bei meiner Berufswahl gespielt haben. Jetzt studiere ich Theaterregie an der Akademie der Künste. Mein erfolgreiches Debüt in ‚Nadeshda‘ hat mir die Sicherheit gegeben, diesen Weg für mich zu wählen.

 

Ich spiele sehr gern Gitarre, das ist mein Lieblingshobby. Ich schreibe auch selber Lieder. Und ich kann eindeutig sagen, dass die erste Bühne, auf der ich meine eigenen Lieder vorgetragen habe, die Bühne von ‚Nadeshda‘ war.

 

Diese Aussagen sind frei von Pathos oder Übertreibung. Damals, als ich mich in ‚Nadeshda‘ erholte, war das Zentrum für mich wohl einfach nur ein Sommerlager. Doch heute, im Rückblick, kann ich erkennen, welche Bedeutung diese Erholung für mich hatte.“